Wo gibt es die Sichelzellkrankheit und schützt sie vor Malaria?

Vor mehr als 7000 Jahren ist die Sichelzellkrankheit (früher „Sichelzellanämie„) in Afrika durch eine Gen-Änderung (= Mutation) entstanden. Träger der Krankheit, also Menschen, die eine kranke und eine gesunde Anlage für den roten Blutfarbstoff haben, bekommen nicht die schwere, lebensbedrohliche Form der Malaria Tropica. Man vermutet, dass das Entstehen der Sichel-Mutation eine Art Schutz der Natur vor Malaria darstellt.


Wer ist vor Malaria geschützt?

Es gibt drei Formen der Malaria. An Malaria tertiana und Malaria quartana können sowohl Träger als auch Sichelzellbetroffene erkranken. Diese Malariaformen sind nicht tödlich. Vor der häufig tödlichen Malaria Tropica sind Sichelzellbetroffene nicht geschützt! Sie können daran erkranken und sterben – insbesondere als Kleinkinder. Lediglich HbS-Träger (und die seltenen HbCC-Erkrankten) sterben nicht an Malaria Tropica.


Von Afrika aus hat sich die Sichelzellkrankheit ausgebreitet: durch Händler, die mit ihren Waren nach Nordafrika, in den östlichen Mittelmeer-Raum und den Mittleren Osten zogen, dortgeblieben sind, und sich mit der dortigen Bevölkerung vermischt haben. Mit dem Sklavenhandel kam die Sichelzellkrankheit nach Nord- und Südamerika und in die Karibik.

Sichelzellkrankheit in Deutschland

In Deutschland gab es die Sichelzellkrankheit nicht bis Menschen in den 50er Jahren aus Italien, Griechenland, der Türkei auf der Suche nach Arbeit zu uns kamen. Es waren gesunde Träger der Erkrankung, die, wenn sie eine Partnerin hatten, die auch Trägerin war, an Sichelzellkrankheit leidende Kinder hatten. Seit den 80er Jahren kamen Menschen als Flüchtlinge oder Asylanten aus Kriegsländern (Zaire, Kongo, Angola, Westafrika, Iran, Irak) zu uns und brachten die Sichelzellkrankheit mit.

In Deutschland (ca. 83 Millionen Einwohner) lebten 2020 wahrscheinlich 3000 Sichelzellpatienten, hauptsächlich in den alten Bundesländern, überwiegend in großen Städten und in Industriegebieten. Die Zahl der Sichelzellpatienten steigt weiter an, einmal durch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afrika – vor allem aber durch Kinder, deren Eltern HbS-Träger sind und es nicht wissen (oft leider auch nicht wissen wollen bzw. die pränatale Diagnostik ablehnen).

Wenn man weiß, dass es in USA ca. 100 000 (320 Millionen Einwohner), in England und Frankreich je ca. 20 000 (50 bzw. 60 Millionen Einwohner) Sichelzellpatienten gibt, versteht man besser, dass es in Deutschland immer noch schwierig ist, einen Arzt zu finden, der sich mit der Sichelzellkrankheit auskennt und auch, dass viele Sichelzellpatienten in Deutschland oft die einzigen mit dieser Krankheit in einer Praxis oder im Krankenhaus sind.


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